DIE TERRASSEN DES PHILOSOPHISCHEN GARTENS
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Gastvorträge

Organisiert werden in loser Folge Gastvorträge.
Den Auftakt machte der Freiburger Philosoph Kristof Rouvel am 9. November 2006 mit seinem Vortrag zum Thema „Werde, der du vorgibst zu sein!“ Am 2. Mai 2007 folgte der Heidelberger (jetzt Hamburger) Philologe Alexander Hermenau mit einem Essay über die „Philosophie des Lesens“. Dritter Gastredner war der Berliner Philosoph Michael Pauen am 12. März 2008 mit einem Vortrag über die Folgen der neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften für das menschliche Selbstverständnis (Vortrag anhören). Vierter Redner war der Garchinger und seit 2010 Heidelberger Astrophysiker Volker Springel am 14. Oktober 2008 mit seinem Vortrag „Vom Leben und Sterben der Galaxien: Eine Reise durch 14 Milliarden Jahre kosmischer Geschichte“. Als fünfter Referent präsentierte der Karlsruher Philosoph Cai Werntgen am 26. Februar 2009 seine Gedanken über „Gesten des Denkens – Heidegger after Duchamp“ (Vortrag anhören). Am 2. Dezember 2009 trat der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger auf die Bühne und beschrieb den Weg „Von der Neuroethik zur Bewußtseinsethik“ (Vortrag anhören). Als siebter Gast sprach am 24. Oktober 2010 der Konstanzer Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler über „Zimmerreisen“ (Vortrag anhören). Als nächstes spricht der Züricher Philosoph Michael Hampe am 16. April 2012 in der neuen Stadtbibliothek Stuttgart über Natur- (und Glücks)begriffe.


Michael Hampe (Zürich) spricht über den Begriff der Natur.

Menschen sind gegenwärtig aus unterschiedlichen Gründen der Meinung, daß sie der Natur schaden. Naturphilosophisch ist jedoch zu fragen, was „die Natur“ eigentlich ist, ob wir ihr gegenüberstehen und uns zu ihr als ganzer verhalten können. Auf welchem Weg könnten wir ein anderes Verhältnis zu anderen natürlichen Wesen entwickeln, über Theorien? Über Erzählungen? Über neue Handlungsgewohnheiten?

Biographie:

Michael Hampe, 1961 in Hannover geboren, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Psychologie und Biologie in Heidelberg und Cambridge. Nach Professuren in Dublin, Kassel und Bamberg lehrt er seit 2003 als Professor für Philosophie an der ETH Zürich. Im Jahr 2009 erschien sein Bestseller „Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück“. Zuletzt erschien „Tunguska oder Das Ende der Natur“ (2011, beide Hanser Verlag, München).

Dieser Vortrag findet statt am Montag 16. April 2012 um 19.30 Uhr in der neuen Stadtbibliothek Stuttgart am sog. Mailänder Platz beim Hauptbahnhof und in Kooperation mit der Philosophiereihe der Stadtbibliothek Stuttgart (Karten: 5,- / 3,- Euro. Anmeldung: 0711 / 216-5788 oder 0711 / 216-5790).

Einführung: Matthias Müller.


GEPLANTE GASTVORTRÄGE:
Corinna Löckenhoff (Ithaca, New York): Der Lebensweg des Geistes: Ein philosophischer Blick auf die neuesten Erkenntnisse der Alternsforschung

Kristin Marek (Bochum): Lenin, Mao und der Papst. Weshalb tote Körper so wichtig sind

Gegensätzlich zu der omnipräsenten Debatte um die Unsterblichkeit der Körper wird in westlichen Gesellschaften der Tod tabuisiert und den toten Körpern kaum Beachtung geschenkt. Dabei kann die Leiche als Paradigma des raum-, zeit- und kulturübergreifenden Topos der Anwesenheit des Abwesenden gelten. Denn der Tod ist die stärkste Form der Abwesenheit und diese ist nirgends so präsent wie im Leichnam. Dieser ist zwar noch Körper, doch kann er dem lebenden Körper nur mehr ähneln, von dem er sich mit Fortschreiten des Verwesungsprozesses zunehmend entfernt. Das Verschwinden des Körpers im Leichnam, sein unsicherer Status, evoziert zahlreiche unterschiedliche Praktiken, die in Bezug zu bestimmten symbolischen, rituellen, erkenntnistheoretischen oder, allgemein gesprochen, kulturellen Ordnungen stehen, die sich über den Leichnam vermitteln. Ausgehend von den Aufbahrungen Lenins und Maos eröffnet der Vortrag die Tiefendimensionen einer Kulturgeschichte des toten Herrscherkörpers.

Eva Corino (Brüssel): Familiengründung und Rollenverständnis unter den Bedingungen der Globalisierung. Eine philosophische Reise zu den Quellgründen der Geschlechterdebatte

Heinrich Steiner (Berlin): Gott, der Zufall und die Religion nach der Postmoderne

Im Herbst 1999 hielt der führende Computerwissenschaftler Donald E. Knuth am MIT Vorlesungen über die Beziehung zwischen Wissenschaft und Glaube. Nach einer Einführung in die Thematik sprach Knuth über Themen wie Zufall und Religion, Fragen der Übersetzung, Kunst und Schönheit, „Das 3.16 Projekt“, Gott und die Computerwissenschaft. Der Vortrag greift diese Vorlesungen auf und stellt die Frage, ob und wie Religion vom Standpunkt eines Informatikers neu bedacht werden kann.

Thomas König (Epinal): The Cement of the Universe. J. L. Mackies Ansatz zum Begriff der Kausalität

Andreas Müller (Prag): Zu jeder Zeit und überall: Mobilkommunikation und Internet in ihrem Einfluß auf unser Selbstverständnis und die Art, wie wir miteinander leben und kommunizieren



BISHERIGE GASTVORTRÄGE:
Kristof Rouvel (Freiburg): „Werde, der du vorgibst zu sein!“ – Vom Leben als Theater zum philosophischen Problem der Authentizität

Dieser Vortrag wurde gehalten am 9.11.2006 im Wilhelmspalais Stuttgart in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart.

Einführung: Matthias Müller.

Die Rollensoziologie beschreibt unser alltägliches Handeln als Schauspiel, bei dem jeder Schauspieler, Zuschauer, Regisseur und Autor zugleich ist. Diese Auffassung scheint ins kollektive Bewußtsein eingegangen zu sein: Politiker haben Imageberater, Stars erfinden sich immer wieder neu in wechselnden Inszenierungen ihrer Person, und jeder weiß, daß er sich gut „verkaufen“ muß, will er im Leben Erfolg haben. Wenn aber unser Leben nur Theater ist – sind wir dann jemals „echt“? Und wie können wir uns selbst noch trauen, wenn wir den Anderen immer nur etwas vorspielen? In einer fragwürdig gewordenen sozialen Wirklichkeit, wird auch die Identität des Einzelnen zum Problem, und jedem Einzelnen stellt sich die philosophische Frage: Wer bin ich wirklich?  


Alexander Hermenau (Heidelberg/Hamburg): Die Philosophie des Lesens

Dieser Vortrag fand statt am 2. Mai 2007 im Wilhelmspalais Stuttgart in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart.

Einführung: Matthias Müller.

Alexander Hermenau entfaltet in seinem Vortrag eine existentiell umfassende Philosophie des Lesens. Was heißt eigentlich Lesen? Gibt es ein richtiges Lesen neben dem falschen? Nach einer sprachwissenschaftlichen und historischen Bestimmung des Begriffs „Lesen“ erläutert Hermenau das „schöpferische Lesen“, wie es Hugo von Hofmannsthal höchst inspirierend auf den Begriff gebracht hat, und leitet von dort her seinen eigenen, anspruchsvollen Begriff des Lesens ab. Hermenau taucht in die aufregende Geschichte des Lesens und macht klar, warum allein das schöpferische Lesen dem Menschen auf die Sprünge hilft, ja daß Lesen über das Lesen der Schrift weit hinausgeht, dorthin, wo es zur Kunst wird, die wir im Alltagsleben ständig anwenden. Gerade deshalb ist es wichtig, das Lesen der alltäglichen Situationen einzuüben und über das bloß Alltägliche hinauszukommen. So gibt Hermenaus Vortrag den Zuhörern wie nebenbei Vorschläge für eine kreative Lektüre des Alltags.


Michael Pauen (Berlin): Keine Kränkung – keine Krise. Warum die Neurowissenschaften nicht zu einer Revision unseres Selbstverständnisses zwingen (Vortrag anhören)

Dieser Vortrag fand statt am 12. März 2008 im Max-Bense-Saal des Wilhelmspalais Stuttgart in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart.

Einführung: Matthias Müller.

Es wird vielfach behauptet, daß neuere Ergebnisse der Neuro- und Kognitionswissenschaften zu einer fundamentalen Revision des menschlichen Selbstverständnisses zwingen. Tatsächlich hat es in der bisherigen Geschichte der Wissenschaften weder eine solche Revision des menschlichen Selbstverständnisses gegeben noch die von Freud und anderen immer wieder behaupteten „Kränkungen“. Der Vortrag wird zeigen, daß auch für die Zukunft eine solche Revision nicht zu erwarten ist. Dies betrifft insbesondere das Problem der Willensfreiheit. Zu erwarten ist lediglich ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden neuronalen Prozesse.


Volker Springel (Garching): Vom Leben und Sterben der Galaxien: Eine Reise durch 14 Milliarden Jahre kosmischer Geschichte

Dieser Vortrag fand statt am Dienstag, 14. Oktober 2008 um 19.30 Uhr im ICI Kulturlabor Berlin. Veranstaltet vom Philosophischen Garten in Zusammenarbeit mit dem ICI Kulturlabor Berlin.

Einführung: Matthias Müller.

Die Ergründung des Ursprungs unseres Universums zählt sicherlich zu den spannendsten und herausforderndsten Aufgaben, denen sich ein Naturwissenschaftler stellen kann. Volker Springels Untersuchungen zur Strukturentwicklung im Universum, der Verteilung der dunklen Materie in Galaxien und Galaxienhaufen sind Meilensteine der kosmologischen Forschung. Besondere Erwähnung verdienen Springels Arbeiten im Bereich der computergestützten Physik. Er hat unter anderem einen Code entwickelt (GADGET), mit dem in bisher nicht erreichter Auflösung die Strukturbildung unter Berücksichtigung der baryonischen Komponente (das heißt des Gases) numerisch modelliert werden kann. Da die Entwicklung der Materieverteilung im Universum ein hochgradig nichtlineares Problem darstellt, sind solche numerischen Modelle für die moderne Kosmologie unverzichtbar. Der Code GADGET hat sich schnell zum internationalen Standard schlechthin entwickelt. Volker Springels Arbeiten haben ihm den Ruf eines der weltweit führenden Forscher auf seinem Arbeitsgebiet eingebracht. Er versteht es meisterhaft, die zentralen Schlußfolgerungen aus seinen numerischen Ergebnissen zu ziehen, diese zu interpretieren und mittels einschlägiger Publikationen zu kommunizieren. In Berlin wird Volker Springel einem allgemein interessierten Laienpublikum Leben und Sterben unseres unfaßbaren Zuhauses, des Universums, näherbringen.


Cai Werntgen (Karlsruhe/Hamburg): Gesten des Denkens – Heidegger after Duchamp (Vortrag anhören)

Dieser Vortrag fand statt am Donnerstag, 26. Februar 2009 um 19.30 Uhr im Wilhelmspalais Stuttgart in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart.

Einführung: Matthias Müller.

Zusammenfassung: In seinem Vortrag beleuchtet der Autor und Philosoph Cai Werntgen die Bedeutung der Geste für das Denken. Unter Verweis auf Heidegger grenzt er die Geste von den mündlichen und schriftlichen Formen der Philosophie ab und plädiert dafür, die Geste als eigenständige Form des Denkens anzuerkennen.

Längerer Hinweis zum Vortrag:
Martin Heidegger schreibt vor Beginn seiner Marburger Lehrtätigkeit 1923 einen Brief an Karl Jaspers und spricht darin von seiner Freude, „durch Vormachen Wandel schaffen zu können“. Dieses Vormachen sei freilich „nicht halb so bequem wie ein Buch und wieder ein Buch zu schreiben“.
Ausgehend von dieser Heideggerschen Gegenüberstellung „Vormachen“ vs. „Buchschreiben“ fragt Cai Werntgen nach der Bedeutung des Gestischen für das Denken.
Inwiefern läßt sich die „Geste“ neben der „Schrift“ und der „Stimme“ als dritte Dimension des Denkens verstehen? Und dies gar in einem elementaren Sinn, der über die aktuellen semiotischen und kulturtheoretischen Diskurse zur „Performativität“ ebenso hinausgeht wie über die regelmäßigen Renaissancen von Rhetorik und Ästhetik?
Werntgen illustriert seine Ausführungen anhand von Heideggers gestischem Denkweg von den frühen Codeworten der Fundamentalontologie bis hin zum gelassenen Spätwerk – und er tut dies buchstäblich unter Einblendung zahlreicher Bilder. Hierbei kann Werntgen auch überraschende Bezüge zu weiteren „gestischen Denkern“ wie etwa Marcel Duchamp und Joseph Beuys herstellen.


Thomas Metzinger (Mainz): Von der Neuroethik zur Bewußtseinsethik (Vortrag anhören)

Der Erkenntnisfortschritt in der Hirnforschung leistet einen großen Beitrag zu einem alten philosophischen Ideal – dem Projekt der Selbsterkenntnis. Er wirft aber auch neue ethische Probleme auf und führt zu Veränderungen im Bild des Menschen. Wie werden wir all diese neuen Erkenntnisse und Handlungsmöglichkeiten in unser Leben, in unsere Gesellschaft und unsere Kultur integrieren? Der Vortrag wird dafür argumentieren, daß wir der Herausforderung nur dann gerecht werden können, wenn wir uns nicht nur fragen, was ethisch richtige Handlungsweisen sind, sondern auch, was überhaupt ein guter Bewußtseinszustand ist.

Dieser Vortrag fand statt am 2. Dezember 2009 um 19.30 Uhr im Wilhelmspalais Stuttgart in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart.

Einführung: Matthias Müller.


Bernd Stiegler (Konstanz): Zimmerreisen (Vortrag anhören)

Der Konstanzer Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler untersucht in seinem Vortrag eine besondere Art des Reisens, die nicht in die Ferne, sondern in die Nähe führt: die Zimmerreisen. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart finden sich zahlreiche Dokumente dieser skurrilen wie überaus anregenden Art, die Alltagsumgebung zu erkunden – so als sei diese ein fernes Land. In seinem Lichtbildervortrag (wie könnte es bei Berichten aus fernen Ländern auch anders sein!) wird Bernd Stiegler die Zuhörer mit auf die Reise durch diese Geschichten, Berichte und Kunstprojekte nehmen und sie in Länder entführen, die noch echte Entdeckungen versprechen – und das ohne sich fortzubewegen.

Dieser Vortrag fand statt am 24. Oktober 2010 um 11 Uhr im Wilhelmspalais Stuttgart im Rahmen des Tags der Bibliotheken und in Kooperation mit der Reihe „Philosophie im Palais“ der Stadtbücherei Stuttgart (Karten: 5,- / 3,- Euro. Anmeldung: 0711 / 216-5788 oder 0711 / 216-5790.)

Einführung: Matthias Müller.



Wegmarken

Das Gespräch ist das Rad der Welt.
(Samuel Levi)

 

 


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